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Mein 2011 – Eine unsortierte Liste

Nun, Freunde der Nacht, es ist allzeit wieder die Jahreszeit der beliebten TopTen-Listen und auch wenn ich ebenfalls versucht bin meine 10 liebsten Alben des Jahres zu posten, möchte ich Euch doch lieber meine TopTen der spektakulärsten Erfahrungen des Jahres 2011 auf der persönlich-emotionalen Ebene zuteil werden lassen.

Clarence, die blöd parkende Nachbarin

Bei dem Namen Clarence handelt es sich natürlich um eine Verfremdung einer real existierenden Person, deren Identität aus rechtlichen Gründen verschleiert werden soll/muss und damit ich ihr auch noch ungehemmt im Flur begegnen kann. Clarence ist selbstredend kein aus der Luft gegriffener Name, sondern aus Daktari adaptiert. Ihr wisst schon: Clarence der schielende Löwe. Wie dem auch sei. Ich bin mir nicht sicher, ob der Knick in ihrer Optik dafür zuständig ist, dass sie beim Navigieren ihres Fahrzeuges erhebliche Schwierigkeiten hat, aber ich finde mein Auto häufig so von Clarence’ Auto zugeparkt vor, dass dies unmöglich nur aufgrund völliger Unwissenheit oder Unzulänglichkeit passieren kann. Jeden Morgen schiebe ich mein Auto an ihrem Seitenspiegel vorbei, Zentimeter für Zentimeter bete ich, dass ich ihr Auto nicht anfahre. Meine sowieso schon gereizte Stimmung am frühen Morgen implodiert im Fahrzeuginneren und sorgt für beschlagene Scheiben (weswegen ich im weiteren Verlauf meines Arbeitsweges erst mal unter Sichtbehinderungen leide). Liebe Clarence, solltest Du Dich zufälligerweise in diesen Zeilen wieder finden: PARKE ENDLICH WIE EIN NORMALER MENSCH!!!

Einmal mit dem Ambulanzwagen cruisen

In diesem Jahr bin ich in den Genuss gekommen, einmal mit einem Ambulanzauto zu fahren. Also nicht selber, sondern hinten drin. Ich muss schon sagen: wenn mir nicht schon beschissen zu Mute gewesen wäre, hätte es bei der Fahrweise des Rettungssanitäters spätestens zu fortwährendem Erbrechen geführt. Kein Wunder, das man angeschnallt wird. Ich sah vor meinem geistigen Auge immer einen Schlaganfallpatienten, der mit Beatmungsgerät und Infusion bei jedem Schlagloch in einen schwerelosen Zustand befördert wurde, bis er mit dem Kopf an die Fahrzeugdecke knallte und mit einem Ruck wieder auf die Liege gezogen wurde. Im Krankenhaus angekommen liegt er dann vermutlich schon aus instinktiven Selbstschutzgründen im Koma. Von wegen künstlich herbeigeführtes Koma.

Ehemalige Freunde, die seit 15 Jahren im Standby-Modus stehen

Es gibt sie. Die Menschen, die ich nach langer Zeit irgendwann zufällig – und nicht immer freudig – auf der Straße treffe und bei denen ich den Eindruck nicht loswerde, mich ganz plötzlich in einem verworrenen Raum-Zeit-Kontinuum zu befinden. Zurück in die Vergangenheit. Da kleben an meinem Gegenüber die gleichen Klamotten am Körper und dieselbe Frisur am Kopf wie vor 15 Jahren, es kommen die gleichen kleinbürgerlichen Sprüche über die Lippen und es formen sich noch immer dieselben verqueren Ansichten im Kopf.

Gott sei Dank reicht ein Blick an mir herunter um festzustellen, dass ich noch immer fest in der Gegenwart verankert bin.
Es ist keine Halluzination, es ist die nackte Wahrheit.
Ich brauche immer einige Zeit danach, um zu akzeptieren, dass ich mit dieser Person mal sehr eng befreundet war und dass mir diese Freundschaft allen Ernstes auch noch wichtig gewesen ist. Kaum zu glauben. Noch schlimmer ist allerdings die Erkenntnis, dass manche Menschen in ihrer Entwicklung einfach stehen bleiben. So wie ein Körper mit 21 Jahren aufhört zu wachsen. Plötzlich, still, heimlich. Ich gratuliere mir dann immer, dass ich den Absprung rechtzeitig geschafft habe.

Von Eltern, die sich einen Mercedes kauften

Meine Eltern fuhren Zeit meines Lebens Volkswagen. Kleine Ausnahmen wie einen Honda und den vom ADAC gern beförderten, zuletzt gefahrenen Ford mal ausgenommen.

Käfer, Golf, Passat. Mein erstes Auto war ein Golf II der Sonderedition „Manhattan“ und mein zweites (erstes nagelneue) Auto war ein VW Polo.
Ihr erkennt also die Verbundenheit meiner Familie zur Traditionsmarke aus Wolfsburg.
Wie dem auch sei haben meine Eltern sich vor etwa vier Monaten einen Mercedes der E-Klasse zugelegt – einen Kombi.
Aus unerfindlichen Gründen hege ich eine enorme Abneigung gegen Mercedes. Vielleicht liegt es an Mehrzahl von Fahrzeugführern dieser Modelle mit der offensichtlich in die Fahrerlaubnis eingetragenen Vorfahrt auf allen Straßen oder dem an der Nackenstütze festgenähten Tiroler Hut mit Borste unter dem meist ein Körper jenseits der 80 Platz genommen hat oder an den kleinen Accessoires der Kofferraumabdeckung wie zum Beispiel dem Wackeldackel. Jedenfalls symbolisiert der Mercedes für mich wie kaum ein anderer Gegenstand die Spießigkeit des Kleinbürgertums.
Zur Verteidigung meiner Eltern muss ich sagen, dass sie sich so langsam einem Alter nähern, in dem Spießigkeit schon fast zur guten Erziehung gehört.

Philipp Rösler oder von der Partei, die gar keine ist

Philipp Rösler ist der Witz des Jahres, wenn nicht sogar diesen Jahrhunderts. Dieser kleine Welpe mit dem Hundeblick, der unendliche Unwissenheit ausdrückt, soll also eine Partei aus dem Sumpf holen, bei dem jedes Mitglied fleißig Torf abbaut? Nunja, mutig – aber dumm.

Philipp Rösler wird scheitern und wenn nicht, liegt das an der geringen Halbwertzeit von Skandalen in der Politik. Aus den Medien aus dem Sinn.
Aber wer kann die FDP schon ernst nehmen? Bereits im Wahlkampf 2009 war es mir unbegreiflich, dass die FDP mit ihrem Wahlprogramm der Steuersenkungen überhaupt Menschen überzeugen konnte, war doch das Wahlversprechen schon von vorne herein vollkommen utopisch vor dem Hintergrund der weltweiten Finanzkrise und den bereits unter einen Rettungsschirm manövrierten HRE und Commerzbank. Auch 2009 kristallisierte sich aus dem undurchdringlichen Sternenstaub ein griechischer Meteorit hervor, der das Euro-Land auszulöschen drohte. Aber Guido Westerwelle versprach Steuerträume. Nun, die FDP war noch nie mehr als ein Ballon voll heißer Luft. Während die Linken die Qualle im Fischschwarm sind, ist die FDP das Chamäleon des Dschungels.
Und da fällt den Blitzbirnen niemand anderer als Philipp „das Baby“ Rösler ein? Da kommt man sich vor, als habe man in der 1. Grundschulklasse einen aus der U1 Betreuung am Nebentisch sitzen.

“Sie haben kein orthopädisches Problem, Sie müssen nur abnehmen”

Da ich seit längerem aufgrund meiner sitzenden Tätigkeit und damit verbundenen Fehlhaltungen seit Monaten unter Nackenproblemen und Kopfschmerzen leide, habe ich mich dazu durchgerungen zu einem Orthopäden zu gehen. Diese Grenzerfahrung medizinischer Unfähigkeit festigt meine Einstellung zu Krankenkassen im Allgemeinen und Ärzten im Besonderen. Statt Röntgenaufnahmen oder Untersuchungen im Nackenbereich kontrollierte der liebe Onkel Doktor, ob sich meine Knie beugen lassen, ob ich mit den Händen auf den Boden komme und sagte mir nach 10 Sekunden intensivem ins-Gesicht-gucken, dass ich abnehmen solle, dann würde sich auch mein Nacken wieder in die Reihe bringen.

Herzlichen Glückwunsch zu dieser grandiosen Diagnose und der raschen, akuten Behandlung meiner Schmerzen. Und zur absoluten Krönung drückte er mir noch ein Kärtchen der Weight Watchers in die Hand. Da weiß man wo der Kooperationsvertrag zu Hause ist.

Geschichten aus der Notaufnahme oder: „Sind Sie sicher, dass ich wirklich kommen muss?

Meine nächste wirklich als positiv zu bezeichnende Begegnung mit der dritten Ärzte-Art hatte ich in einem Krankenhaus unserer Stadt. Ich bin in die Notfallambulanz gefahren, weil mich in der Nacht ganz plötzlich akuter Schwindel gepackt hatte, ich Herzrasen und Atemnot bekommen habe, die auch nach 10 Minuten nicht vergangen sind. Die Notfallambulanz teilte mir freundlichst mit, dass ich kein Fall für sie sei (was ich mir bei meinem Empfinden gar nicht vorstellen konnte – aber was weiß ich schon), gab mir aber dankenswerter Weise den Tipp es mal beim hausärztlichen Notdienst zu versuchen, der sich ebenfalls im Haus befand.

Das tat ich. Eine, ich will mal versuchen es positiv auszudrücken, angestrengte Stimme meldete sich am Telefon und erkundigte sich schläfrig nach meinen Beschwerden. Nachdem ich diese möglichst realistisch beschrieben habe, führten wir folgende Konversation:

 Kackbratze: Und was soll ich da jetzt machen?

Ich: Äääähm. Keine Ahnung. Bin ich der Arzt oder sie?

Kackbratze: Meinen Sie wirklich, dass ich kommen muss?

Ich: Wie bitte?

Kackbratze: Ja ich bin ja nicht im Hause, da müssen sie schon eine halbe Stunde warten.

Ich: ?

Während sich die Welt um mich drehte, mein Herz zum Zerbersten schlug und mir kotzübel war, drückte ich dem reizenden Pförtner den Hörer in die Hand und sagte ihm so ruhig ich konnte: Sagen Sie der Arschkuh, dass sie mir den Darm auslecken kann. Ich fahre in die Uniklinik.

Tat ich auch.

PS: In der Uniklinik konnte ich übrigens nicht schnell genug gucken, wie drei Leute um mich wuselten, mir eine Infusion legten, mir Blut abnahmen, mir etwas gegen den hohen Blutdruck gaben und mir tausend Fragen stellten. Ein „Meinen Sie wirklich, dass es notwendig ist“ habe ich hier nicht gehört.

Mike Hansen lebt und kommt aus Solingen

Kennt Ihr noch Mike Hansen? Das war eine Figur, die Olli Dittrich in „RTL Samstag Nacht“ verkörpert hat. So ein Assi-Schrat von Zuhälter mit einer Vokuhila-Frisur, wie man sie unter Vollprolls halt trägt.

Genau den Mike Hansen – oder seinen Zwillingsbruder – habe ich am Bodensee neben mir auf dem Campingplatz stehen gehabt. Eine reizende Spezies. Immer eine Kippe im Mundwinkel, die angeborene Selbstverständlichkeit die dicke, nackte Wampe zur Schau zu tragen, den Wunsch von allen und jedem bemerkt zu werden und dem Talent des Nichtbemerkens der eigenen Sprachdefizite.
Herrlich.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann ich auch Ina Müllers Einstellung zu den Nordrhein-Westfalen nachvollziehen, die von mir bisher auf gradlinige Pauschalisierung mit beginnender Diarrhö des Gehirngewebes reduziert worden war:

 Ina Müller – Hoffentlich ist der Sommer bald vorbei:

Da sind sie wieder, 
mit ihren Flip-Flops, die klatschen;

Horst, Günther und Dieter in ihren offenen Latschen.
Echte Warsteiner Wampen, sie werden wieder gezeigt,
unaufhörlich am Tanken, solang’ der Frohsinn noch reicht,
Und schon morgen früh um sechs
wird der Rest der Welt mit dem Handtuch besetzt.
Hoffentlich ist der Sommer bald vorbei,
dann tragen sie Socken bis Ende Mai.
Hoffentlich wird der Winter kalt und lang,
damit ich mich von Nordrhein-Westfalen
in Sommersandalen
erholen kann.

Die Füße ganz artig in Adiletten geparkt,
fast inselartig mit kleinen Büscheln behaart.
Ein Hallelujah auf den Sportteil der Bild:
“Ey, hör’ ma du da! Wat hat’n Schalke jespielt?”
Mit der Gastronomie von Welt per DU,
von Gratin bis Ragout,
Hauptsache Pommes dazu.

Hoffentlich ist der Sommer bald vorbei,
dann tragen sie Socken bis Ende Mai.
Hoffentlich wird der Winter kalt und lang,
damit ich mich von Nordrhein-Westfalen
in Sommersandalen
erholen kann.

Von der Nacht in der die Welt nicht unterging

Man liest ja viel über den Weltuntergang in der letzten Zeit. Alles nur, weil der Maya-Kalender aufhört. Pöh. Sollen sie doch gefälligst mit einer neuen Zeitrechnung beginnen, anstatt alle Leute bekloppt zu machen. Jedenfalls habe ich viel gelesen, gehört, gesehen. Nostradamus Bücher oder solche die es gerne wären, verkaufen sich wie geschnitten Brot, alle Hollywoodstreifen beschäftigen sich mal wieder mit der Apokalypse bei der nur die USA auf dem Erdball verbleibt, weil sonst die Kinokassen nicht klingeln und ich bin schon so paralysiert, dass ich am Abend des 20.12. innerlich Abschied von der Welt nehme und zum ersten Mal das von mir als nicht existent eingestufte Paradies herbeisehne. Wenn es schon zu Ende gehen soll, dann mit Prunk, Glanz und Gloria.

Am Morgen des 21.12. wachte ich in totaler Dunkelheit auf und brauchte ein paar Minuten bis ich begriff, dass ich nicht in der Hölle gelandet war, sondern nur zur Arbeit musste.
Ha, die Menschheit hatte den Mayas ein Schnippchen geschlagen. Als ich dies vollmundig auf der Arbeit verkündete sahen mich alle mit einem etwas mitleidigen Blick an. Tja, dachte ich, die haben dem eben nicht soviel Bedeutung beigemessen. Im Laufe des Tages begriff ich dann allerdings, dass ich mich viel zu früh mit dem Ende der Welt beschäftigt hatte. Das ist ja erst nächstes Jahr. Aber kein Problem, nun hat Gott noch ein Jahr Zeit dieses komische Paradies zu bauen.

Der Tag an dem mir Bon Iver begegnen sollte…


fiel leider ins Wasser!