Okay, es geht los. Ich kann mein Glück am heutigen Tage gar nicht fassen. Endlich ist das von mir lang ersehnte neue Bon Iver Album im Stream hörbar. Natürlich habe ich mich bisher brav mit den beiden Appetizern “Calgary” und “Perth” zufrieden gegeben, bin aber nun froh, dass das Wetter am Wochenende schlecht sein soll und ich daher ohne schlechtes Gewissen an meinem Computer hängen kann, um die Songs immer und immer wieder in Rotationsschleife laufen zu lassen. Das tolle an Bon Iver sind die Texte, die Melodien, die Arrangements, die Instrumente und die Stimme von Justin Vernon. Also eigentlich alles. Habe ich eigentlich erwähnt, dass ich als überzeugter Konzertmuffel Karten für das Konzert in Köln habe? Nein? Dann jetzt. Ich breche mit meiner selbst auferlegten Regel keine Konzerte mehr zu besuchen, weil das Parken an den Hallen scheiße ist (vorallem wenn es in Strömen regnet, man drei Kilometer zu Fuß abreißen und den Rest des Abends in leicht modrig riechenden Klamotten umherwandeln muss), öffentliche Verkehrsmittel aber noch weniger in Frage kommen und die Leute immer so rücksichtslos drängeln müssen. Dabei stehe ich immer schon ganz hinten. Ja!
Ungelogen. Auf meinem vorletzten Konzert im Kölner Tanzbrunnen – es war ein Ärzte-Konzert – hatten meine beide Freundinnen und ich uns ganz weit nach hinter fallen lassen, damit wir nicht in irgendeiner headbangenden Gruppe eingekeilt werden. Wir stehen also so da, nippen an unseren Colas und Bieren und versichern uns immer wieder, dass wir nicht zu alt für diesen Scheiß sind. Plötzlich steht eine verpickelnde 12er-Gruppe von höchstens 16-jährigen Teenagern neben uns und grölt ungefragt herum. Anstatt sich nach vorne ins Getümmel zu schmeißen, beschließen sie stattdessen ein eigenes Getümmel direkt vor meinem Gesicht anzuzetteln und sind dabei nicht gerade zimperlich. Nachdem eine meiner Freundinnen ihre Bierflasche während des Trinkens vom Ellebogen einer dieser pubertierenden Monster in den Rachen gedrückt bekam, haben wir höflich auf einen Sicherheitsabstand bestanden. Ich brauche die weiteren Reaktionen sicher nicht wörtlich festzuhalten. Ich habe mich noch nie so alt gefühlt wie in diesem Moment. Das Konzert danach war das mit den modrig riechenden Klamotten und ich selbst schwor mir: nie wieder ein Live-Konzert.
Nun also Bon Iver. Die Karten waren nicht so teuer, ich kann es auch immer noch abblasen. Aber die möchte ich unbedingt live erleben. Ich möchte dabei sein, wenn sie ins Mikrofon wimmern und ich bestimmt mehr als einmal diesen Tränen-Moment erleben werde. Den wo ich feststelle: das Leben ist eigentlich ganz schön. Man merkt es im Alltag nur zu selten.
Bon Iver – Bon Iver
