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Ode an die Weihnacht – oder so!

Die letzten 10 bis 12 Tage vor Weihnachten sind immer stressig. Das liegt aber nicht etwa daran, dass ich zu den Menschen gehöre, die erst in der letzten Sekunde Geschenke kaufen gehen und sich dann beschweren, dass sie sich auf der Resterampe prostituieren müssen, um noch einen der heiß begehrten Artikel zu ergattern. Nein, ich habe Stress, weil noch so viele Dinge erledigt werden müssen, die sich aus der Natur der Sache heraus nicht früher erledigen lassen und weil meine Großeltern mütterlicherseits zu Karneval nicht sehr viel mehr als feiern und Befruchtungsrituale im Kopf hatten. So feiern meine Mutter und ihre beiden Brüder am 14., 15. und 22. Dezember ihre Geburtstage (die beiden Schwestern im November und Januar – Karneval ist ja auch nicht immer zur gleichen Zeit!).

So hetze ich von einem Geburtstag zum anderen und bin der erweiterten Familie an Weihnachten schon so überdrüssig, dass ich bereits im Vorhinein an einer Reizüberflutung leide.

Bis zum 23. Dezember will spätestens ein Weihnachtsbaum gekauft sein, damit dieser noch mit Lämpchen und allerlei Verzierungen versehen werden kann. Und da ich bei der Tanne ungern einen Kompromiss eingehe und nicht bereit bin als Auffangstation für Not leidende Tannen zu fungieren, ziehe ich etwa 8-10 Tage vor dem Heiligen Abend zur großen Tannenschlacht in den nahe gelegenen OBI-Baumarkt meines Vertrauens ((Aus einer Reihe jahrelanger Erfahrungen heraus kann ich behaupten, dass der OBI-Baumarkt meines Vertrauens im Tannen-Segment wirklich das beste Preis-Leistungsverhältnis zu bieten hat.)). Die Tannenkäufer dort sind meistens sehr genügsam. Während ich im Schnitt etwa 1,5 bis 2 Stunden damit zubringe jede Tanne einzeln zu begutachten und alle feinsäuberlich angebrachten Netze zu entfernen, um der Tanne den notwendigen Freiraum für die Entfaltung ihrer Schönheit zu gönnen (was übrigens bei dem Verkäufer auf wenig Gegenliebe stößt), greift der überwiegende Teil von Käufern einfach einen Stamm mit Nadeln, überprüft den Preis, lässt sich das von mir entfernte Netz erneuern, bezahlt und verschwindet. Klingt einfach, ist es aber in Wahrheit nicht. Eine Tanne ist nicht zwangsläufig auch eine geeignete Weihnachtstanne. Da muss jeder Zweig sitzen, jede Nadel ergrünen, die Spitze ohne lästige Klone auskommen und der Stamm eine in Perfektion seines Gleichen suchende Ergonomie aufweisen. Manchen reicht es offensichtlich, wenn ein selbst gebastelter Strohstern Halt und die Geschenke darunter Platz finden. Aber ich will mich über das mangelnde Stilbewusstsein meiner Mitstreiter in Sachen Tannenbaumkauf nicht beschweren, so wartet nämlich die „perfekte“ Tanne immer in einem kleinen Eckchen nur auf mich.
Zwischen den Geburtstagsfeiern und der Suche nach der superduper Tanne, müssen natürlich auch Plätzchen gebacken werden. Im Leben eines Rheinländers müssen Traditionen ja mit der Lupe gesucht werden und deswegen klammert man sich dieserorts nicht nur an den Karneval (den man auch gern mal hinter dem ein oder anderen Politikum versteckt), sondern auch ans Plätzchen backen ((Jetzt schreien bestimmt alle Dörfler der Provinz auf und stellen mich an den Pranger, dass es auch noch Dinge wie den Schützenverein, die Maikönigin und so einen Driss gibt, aber damit habe ich nix am Hut.)).

Kokos- und Haselnussmakronen, Vanillekipferl, Nussecken und Spritzgebäck. Das ist die traditionelle Mischung bei uns zu Hause. Dieses Jahr muss ich allerdings noch so Mandel-Ingwer-Irgendwas backen, weil die Lieben im Alltagstrott jedem Trend hinterher hecheln. Nun gut, in diesem Jahr feiern wir Weihnachten eben in asiatischer Anlehnung. Als ich dieser Absurdität die Krone aufsetzen wollte und vorschlug an einem der Weihnachtstage die buddhistische Fastenspeise aufzutischen, erntete ich erst verstörende und dann mitleidige, aber definitiv abweisende Blicke.
Ja, wenn schon, denn schon meine Lieben.

Die Pute für den Heiligen Abend ist übrigens schon bestellt. Beim EDEKA – dem Lebensmittel-OBI meines Vertrauens. Die stecken sogar kleine Papierhütchen auf die abgehackten Putenbeinchen, was meinem sehr sensiblen Wesen sehr entgegen kommt. Das finde ich so süß, dass mir auch die frustrierte Omi in ihrer Paraderolle als Fleischfachverkäuferin nicht die Laune vermiesen konnte. Als ich mich nämlich neben der Weihnachtsbestellung der Pute erdreistete, zusätzlich nach ein paar Scheiben Schinken zu fragen, schnellte ihre Laune gen Tiefpunkt. Ich glaube zwar kaum, dass sie angesichts der langen Schlange in meinem Rücken ernsthaft geglaubt hatte, dass sie ihre Ruhe haben würde, aber offensichtlich flitschte dieser oder ein ähnlicher Gedanke in ihrem Hirn hin und her. Als ich dann zu allem Überluss auch noch nach einem etwas magereren Stück Schinken fragte (da das Stück in ihrer Hand ungelogen zu mindestens 50 Prozent aus Schwarte bestand), blickte sie mich aus zusammengekniffenen Augenschlitzen an und wies mich mit ihrem (wahrscheinlich) freundlichsten Ton in die Schranken: „Wie viel Schinken soll ich denn auspacken und aufschneiden, bis wir wohl ein magereres Stück gefunden haben?“
Meine Antwort: „Das ist eine interessante Frage. Wie viel Schinken haben Sie denn?“

Als ihre Kinnlade den Boden berührte, hörte man dieses Geräusch vermutlich noch in Australien so laut, als sei gerade ein Chinaböller explodiert.
Ansonsten findet man in dem EDEKA allerdings tatsächlich freundliches Personal – außer vielleicht noch diese Kassentussi. Die ist so was wie die Oberschwester des Kassenpersonals. Gut, die hat von Natur aus schon eine Hackfresse und setzt sie auch bei jeder Gelegenheit ein – vornehmlich gegenüber ihren „Untergebenen“. Gegenüber den Kunden versucht sie die Hackfresse mit einem freundlich gemeinten Ton zu überspielen. Aber zwischen Versuch und Erfolg liegen bekanntlich Welten.

Vor ein paar Jahren bin ich dazu übergegangen, die meisten Geschenke über DEN Online-Händler zu beziehen. Also quasi den Online-Obi meines Vertrauens ((Diese Erwähnung erfolgt nur, um den „Running-Gag“ bis zum Äußersten auszulutschen.)). Deswegen befinde ich mich in der komfortablen Situation nicht mehr in den Weihnachtstrubel zu müssen. Gleichzeitig nutze ich meine Mittagspausen oder den kurzen Anreiseweg zwischen Arbeitsstätte und City, um den tatsächlich vorhandenen weihnachtlichen Glamour zu genießen, an dem die meisten nur panisch vorbeihetzen, weil ihnen für Oma noch ein paar Socken und für Opa die Feinrippunterwäsche fehlt. (Ich kann übrigens einen Glühweinstand auf dem Bonner Weihnachtsmarkt empfehlen, der direkt am SinnLeffers (der übrigens für mich KEIN Obi ist) steht. Dort gibt es einen fantastischen, weißen Kakao mit Likör 43. Hhm!).

Und wenn ich da so stehe – mit meinem peinlichen Schokoschnurrbart um den Mund, der Gott sei Dank nicht auffällt, da ich von Natur aus eher mit dezenter Blässe gesegnet wurde – weiß ich, dass sich all der Stress der letzten Tage gelohnt hat, weil es in wenigen Tagen das weltbeste Essen des Jahres und die weltbesten Geschenke von den weltbesten Lieben geben wird.

In diesem Sinne wünsche ich Dir, meinem treuen Leser, besinnliche Feiertage im Kreise Deiner Lieben, viele Geschenke und viel Spaß.

Die Dany

One Comment

  1. Petra

    Toller Text – habe mich gut amüsiert…. Ich hoffe, du hattest ein wirklich schönes Weihnachtsfest im Kreise deiner weltbesten Lieben, das weltbeste Essen und die weltbesten Geschenke bekommen… Auf dass die Silvesterfeier besinnlicher abläuft…. ;-)

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