In dieser Ausgabe der “Plattenschau” werden die Alben von Ben Folds & Nick Hornby, Pohlmann und der fabelhaften Agnes Obel unter die Lupe genommen und kurz bewertet.
Ben Folds & Nick Hornby – Lonely Avenue
Ich gebe es zu: Nick Hornby war noch nie mein Fall. Seine Bücher zwar irgendwie Kult, mir aber immer eine Spur zu fade. Vielleicht identifizierte ich mich aber auch zu wenig damit. Ben Folds wirkt mir manchmal zu sperrig. So war ich sehr gespannt, was die beiden gemeinsam auf die Beine stellen würden. Ich bin positiv überrascht. Das Album hat einen gewissen Charme. Die sanften Streichelemente, die zaghafte Stimme von Ben Folds und die Texte von Nick Hornby. Das gesamte Arrangement wirkt überzeugend, aber streckenweise zu gewollt. Als habe man ein gemeinsames Epos schaffen wollen, dem aber irgendwann die Luft ausgeht. Für Fans sicher eine schicke Sache, für mich eher Nebensache.
Pohlmann – König der Straßen
Gutes deutschsprachiges Liedgut. Die meisten von Euch, die mich schon eine Zeit begleiten, wissen, dass ich eine absolute Schwäche für deutschsprachige Musik habe. Pohlmann. versteht sein Handwerk ebenso gut, wie zum Beispiel Clueso oder Philip Poisel. Dabei klebt er zwischen den beiden allerdings ein bisschen fest. Während Poisel mit jeder Strophe überzeugt und Emotionalität erzeugt und Clueso für seinen Textwitz bekannt ist, ist Pohlmann. irgendwie – Durchschnitt. Ein bisschen Pop, ein bisschen Rock, ein bisschen Mainstream und ein bisschen Alternative. Aber nichts Definitives. Als würde man sich überall empfehlen, aber nirgendwo dazugehören wollen. Kann, muss aber nicht.
Agnes Obel – Philharmonics
Agnes Obel war schon ungewöhnlich schön in der Telekom-Werbung in der ihr dezenter Song “Just so” eingesetzt wurde. Mit “Philharmonics” hat sie bereits einen sehr aussagekräftige Albumtitel gefunden, der neugierig macht und den Hörer nicht enttäuscht. Durchaus dürfen orchestrale Elemente durch die Sequenzen führen. Aber eigentlich ist der Albumtitel schamhaftes Understatement. Agnes Obel begleitet uns dezent durch ihre sprachlichen Sphären und beweist, weniger ist immer soviel mehr. Hier tummeln sich die Songperlen, fein aneinander gereiht und fertig zum abholen. Feine Melodien treffen auf die sanfte Stimme. Die Frau, die auf dem Cover so schüchtern und brav, fast ein bisschen unnahbar wirkt, zaubert uns die Welt auf ein Silbertablett, das man am liebsten immer wieder polieren möchte, damit es ja nur nicht anläuft. Bravourös und wahnsinnig schön.
