In der ersten Ausgabe der Plattenschau ergründe ich die Soloabgründe von verschiedenen in der Alternative-Szene populären Bandmitgliedern. Unter anderem dabei die Schlagzeuger von Bon Iver und Radiohead sowie die Sänger von Snow Patrol und The Killers.
S. Carey – All we grow
Schönes, ruhiges Album mit zaghafter Instrumentierung und schöner Stimme. S. Carey kennen übrigens alle, denen Bon Iver ein Begriff sind. Und damit bekennen sich auch schon die musikalischen Wurzeln dieses Albums. Da “For Emma, forever ago” immer noch einer meiner Lieblingsalben ist, ist dies hier der würdige Nachfolger für die tristen Herbsttage. In der Tat entfaltet sich die wahre Schönheit dieses Albums erst nach mehrmaligen Hören.
S. Carey – In the dirt
Philip Selway – Familial
Philip Selway ist in diesem Artikel der zweite Abkömmling einer erfolgreichen Band, der nun seine Individualität beweisen möchte. Neben S. Carey vermutlich das zweite Album, dass meinen Herbst bereichern wird. Ich freue mich schon, wenn ich Anfang Oktober in Langeoog am Deich hocke und beim Hören dieser Platte Ebbe und Flut beim Staffellauf zusehen werde. Perfekter kann der Soundtrack für eine steife Brise und die Aussicht auf die Weite des Meeres gar nicht sein.
Philip Selway – By some miracle
Tired Pony – The Place we ran from
Ein von mir völlig falsch eingeschätztes Album! Da habe ich immer mal sporadisch rein gehört und habe gedacht: och nöö. Da fehlt mir ein bisschen der Drive, da ist zu viel der letzten (leider nicht so geglückten) Snow-Patrol-Platte drin. Aber nachdem Sascha mich auf Twitter nochmal mit der Nase drauf gestossen hat und meinte, dieses Album sei für meine Ohren geschrieben, dachte ich mir: Wenn er schon auf den gleichen Gedanken kommt wie ich, als ich das erste Mal von dem Album hörte, dann MUSS doch etwas dran sein. Album nun mehrmals hintereinander gehört und sie da: es kommt. Allzuviele der nachgesagten Countryelemente erkenne ich zwar nicht eindeutig, aber es reicht auch, diese Platte als puren Pop seine Daseinsberechtigung zuzugestehen.
Brandon Flowers – Flamingo
Muss man Solo eigentlich da weiter machen, wo man als Teil einer Band stagniert ist? Diese Frage stellt sich mir bei dem ersten Solo Album von Brandon Flowers. Nachdem das letzte “The Killers” Album eindeutig bewiesen hat, dass die Band vielleicht phantasievoll, aber alles andere als genial geblieben ist, waren meine Erwartungen an Brandon Flowers groß. Allein bei dem Albumtitel “Flamingos” sacken meine Erwartungen ins Pornoröse ab. Nachdem er dann im ersten Lied Las Vegas beträllert, ahne ich in welch kitschige Gefilde Flowers seine Hörer entführen will. Es drängt sich die Frage auf, ob hier all die Songs verwurstet wurden, die zu schlecht für die Killers-Platte waren. Beim Anfand von “Hard Enough” rollen sich mir die Fußnägel bis zum Bauchnabel auf. “Crossfire” als Adrenalinstoß zu bezeichnen, fällt auch nur gewieften Marketingstrategen ein. Ich nenne es komatöses lalala. Ein echtes No-go.
Brandon Flowers – Crossfire
