skelettklein

Verpflichtung zur Organspende?

Ich bewundere Frank-Walter Steinmeier. Weniger für seine politischen Entscheidung, sondern für seine menschliche Größe und Zuneigung seiner Frau gegenüber. Ich finde es mutig einen Eingriff an seinem Körper vornehmen zu lassen, um einem geliebten Menschen die Möglichkeit auf ein verlängertes Leben zu bieten.

Was mich allerdings in diesem Zusammenhang ärgert ist die wieder aufgekeimte Diskussion über den gesetzlichen Umgang mit Organspenden. Es war bereits vor ungefähr zwei Jahren im Gespräch ein Gesetz zu schaffen, dass Organspenden grundsätzlich zulässt. Wer keine Organe spenden möchte – aus welchen subjektiven Gründen auch immer – sollte nach dem damaligen Entwurf eine Art Widerspruch einlegen. Geschieht dies nicht, kann der hirntote Mensch mehr oder weniger als Ersatzteillager herhalten. Da kommt man sich doch vor wie ein ausgedientes Automobil, dessen rote Türen demnächst an einem blauen Auto in die Welt hineinfahren, ein Motor der dem eigentlich schon verrosteten Kleinwagen wieder neues Leben einhaucht.

12.ooo Menschen warten allein in Deutschland auf lebensrettende Organe.

Es gibt Menschen, die sind wirklich der Meinung, es sei ignorant, dass man sich nicht zur Organspende bereit erklärt. Sie gehen sogar so weit zu sagen, dass Menschen sterben müssen, weil andere sich ihrer Sterblichkeit nicht bewusst sind.
Irrtum.  – Ich bin nicht ignorant. Ich bin nur nicht grundsätzlich auf diese Welt gekommen, um für andere Menschenleben einzustehen.

Ich weiß, es klingt grundsätzlich egoistisch. Aber ich entscheide über meinen Körper selbst. Vorallem auch nach meinem Tod. Ich brauche keine pauschalen Gesetzesregelungen, die mich verpflichten mich leer und ausgeschlachtet ins Grab zu legen, übersät mit Narben, mit leeren Augenhöhlen, weil auch diese Augen nun aus einem anderen Körper starren.
Es gibt verschiedene Sichtweisen über die ethischen und moralischen Beweggründe sich für oder gegen eine Organspende zu entscheiden.

Verbunden mit dieser völlig absurden Regelung, schreibt mir vermutlich demnächst noch einer vor wieviel Sport ich treiben muss oder welche Lebensmittel ich konsumieren darf, damit die Organe auch bei meinem Ableben noch gut in Schuss sind.

Außerdem gibt es den dabei sicherlich auch Fehler im Detail. Wie soll garantiert werden, dass eine Widerspruchserklärung gegen eine Organsspende auch tatsächlich hinterlegt ist und nicht versehentlich im Bearbeitungsvorgang abhanden kommt?

Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich nicht grundsätzlich gegen eine Organspende bin und ich auch niemanden verurteilen möchte, der dieses Thema positiv betrachtet, aber ich denke niemand kann von einem anderen Menschen erwarten in dieser Weise gerettet zu werden. Wir sind auch nicht dafür verantwortlich.
Wir sehen weg, wenn an Bahnsteigen couragierte Menschen zu Tode geprügelt werden, wir wenden den Blick ab, wenn ein Mädchen im Bus belästigt wird. Wir übersehen auch schon mal gern die Frau, die mit dem Kinderwagen nicht allein in den Bus kommt. Aber wenn es um Organe geht, muss die Menschlichkeit und die sonst vertriebene Nächstenliebe künstlich erzwungen werden?

Die Entscheidung für eine Organspende muss freiwillig bleiben und ich muss mich nicht mit unnötigem Bürokratismus herumschlagen müssen, um mein Recht auf meine Menschenwürde und mein Persönlichkeitsrecht in Anspruch zu nehmen. Und ich muss auch nicht in Sorge leben, dass ich vielleicht vorher vom Bus erfasst werde, bevor der Widerspruch rechtskräftig geworden ist.

12 Comments

  1. Uff, das verleitet mich nun natürlich dazu einen halben Roman zu schreiben; das ist allerdings nicht geeignet als Kommentar.

    Ich denke die österreichische Lösung ist die gelungenste. Wenn ich richtig informiert bin, ist man dort automatisch Organspender und braucht den Ausweis eben um keiner zu sein. So wie hier, nur anders herum. Unbürokratisch, kostenlos und einfach.

    Selbstverständlich kann jeder seine Meinung haben und du schreibst ja auch, dass du nicht gegen Organspende bist…ABER:
    (“Ich bin nur nicht grundsätzlich auf diese Welt gekommen, um für andere Menschenleben einzustehen.”) mit diesem Satz löst du doch eine große Welle der Gedanken aus. Vermutlich würden alle Theologen, Soziologen, Psychologen, Pädagogen, Wirtschaftswissenschaftler, Geistige und Geistliche Wesen dir widersprechen wollen. Und zwar vehement.

    Ich werde dir nicht widersprechen, aber ich werde mal darüber nachdenken, welche Meinung ich zu diesem Thema habe und so :-)

    P.S. Frank hat das getan, was ich sofort tun würde.

  2. Oha, auch ich müsste einen Roman schreiben, versuche mich aber kurz zu fassen.

    Ich halte die österreichische Version zwar vom Ergebnis für gut (Verhinderung von Organmangel), aber vom ethischen Standpunkt seltsam. In der aufgeflammten Debatte hat jemand gesagt, dass man bei jedem Kinkerlitzchen sein Einverständnis geben muss (Impfung etc), aber bei der Organentnahme nicht.

    Abgesehen davon, halte ich Organspende für wichtig und ich habe seit 13 Jahren einen Ausweis, in dem ich alle meine Organe zur Verfügung stelle.

    Die Einwände, dass man bei Vorfinden eines solchen Ausweises evtl. früher den Saft abgedreht bekommt, gehören in einen Horrofilm, aber nicht in den deutschen Krankenhausalltag.

    Dein egoistisches Argument, dass du unberührt im Grab liegen willst, ist natürlich legitim, aber ich denke genau das Gegenteil. Abgesehen davon, dass man das nach einer Preparation durch den Bestatter nicht sehen würde, was hast du davon? Du bist tot und siehst dich nicht mehr, deine Verwandten/Freunde sehen dich nicht mehr? Und die Dutzend Organempfänger, die mit deinen “Ersatzteilen” endlich wieder ein leichteres Leben haben, werden dir dankbar sein.

    Oder ziehen wir das mal von der anderen Seite auf: Was wäre, wenn du oder einer deiner Verwandten/Freunde auf eine Spenderlunge angewiesen ist?! Und es vergehen bange Monate und Jahre, in denen die Chancen auf Überleben schwinden, nur weil keiner bereit wäre, seine dann nutzlose Lunge nach dem Tod zu spenden?

  3. PS: Landen meine Kommentare immer im Spam oder ist die Moderation so angelegt, dass mein Kommentar vor der Freigabe nicht angezeigt wird? Das ist reichlich unangenehm.

  4. Dany

    @Julia nur ganz kurz von unterwegs: ich sehe Deine Kommentare ohne sie vorher freigegeben zu haben wahrscheinlich ist das wieder ein Cache Problem. Ein Plugin scheint hierfür verantwortlich, aber ich kann den Störenfried nicht ausfindig machen.

    Zu Euren Ausführungen nehme ich später ausführlich Stellung :-)

  5. Ich schreibe einen Roman:

    Bin für Organe spenden, aber gegen gesetzliche Verpflichtung dazu, jedoch für mehr Aufklärung zu dem Thema. Also Organspender kann man nämlich angeben, was man alles behalten möchte. Ich z.B. beine Augen und die Haut. Aber meine Innereien dürfen gerne verteilt werden.

  6. Dany

    @kamil: das spiegelt in etwa wieder, was ich auch denke.

    @all: ich möchte einfach frei darüber bestimmen können und mich nicht dem Bürokratenautomatismus widersetzen würden, um meine Persönlichkeitsrechte geltend machen zu dürfen. Ich wünsche jedem Menschen, der ein Organ benötigt einen Spender, der sich dazu bereit erklärt. Aber nicht per Gesetz!
    Ich bin auch der Meinung, es muss mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden. Es reicht keine Fernsehwerbung in der man dafür wirbt, einen Organspendeausweis zu beantragen oder auszufüllen. Es müssen mehr Informationsstände in die Innenstädte oder auf Veranstaltungen. Vielleicht habt Ihr andere Erfahrungen gemacht, aber ich habe selbst noch nie einen solchen Stand gesehen.

  7. Auf jeden Fall mutig, diese Meinung öffentlich zu vertreten und durchaus von mir nachvollziehen. Ich stimme Dir dann einfach mal zu. … Auch wenn es sonst nicht unbedingt meine Art ist! ;-)
    Andererseits ziehe ich es vor, wenn ich denn schon irgendwann einmal sterben muß (was noch nicht bis zum Schluß ausdiskutiert wurde), verbrannt zu werden. Also würde in diesem Fall der Punkt “ausgeschlachtet im Grab liegen” nicht unbedingt ziehen. Demzufolge könnte ich auch spenden.

    Ich bin unschlüssig und verantwortungslos. Da ich aber plane noch lange diesen Planeten zu bevölkern, schiebe ich die Entscheidung noch vor mir her. Aber Herr Steinmeier hat wirklich sehr großen Respekt verdient!

    P.S. Weiß jemand ob der Highlander einen Organspendeausweis hatte?

  8. Und ich schließe mich Julia mit den Kommentaren an! Räum endlich mal Deinen Cache auf. Sonst ist es dieses Jahr nichts mit dem Fleisszettelchen zum Elternsprechtag!

  9. Dany

    @postpunk: Es ist grundsätzlich nicht Deine Art jemand anderem zuzustimmen oder nur mir nicht? ;-) Ich frage nur, um mich darauf einstellen zu können.

    Ich betone an dieser Stelle auch noch mal, dass ich selbst auch noch in der Entscheidungsphase für oder gegen Organspende bin – also meine eigene.

    So und was den Cache angeht. Ich wäre für Tipps zur Fehlerbehebung dankbar. Bin selbst ja nicht so ein versierter Nerd. ;-)

  10. Dany

    So, nach ein bisschen Internetrecherche habe ich das Plugin PSXMail für mein Kontaktformular deaktiviert, da dieses bei anderen Blogs offensichtlich der Keim für die Probleme war.
    Julia – und gerne jeder andere, der das Problem bemerkt hat, dass Kommentare und Beiträge nicht aktualisiert angezeigt wurden – möchte ich bitten, mir zu berichten, ob das Problem mit Firefox weiterhin auftritt.
    Lieben Dank!

  11. Ich stimme grundsätzlich jedem zu, der meine Meinung vertritt! :-)

  12. Ah, ganz vergessen zu erwähnen, dass ich auch eine Feuerbestattung plane und kann auf diesem Wege mal das Cacheproblem testen :)

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